Familienpolitik ist mehr als Vereinbarkeit von Familie und Beruf

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Familienpolitik ist mehr als Vereinbarkeit von Familie und Beruf

VOLKACH (Lkrs Kitzingen).  „Was zeichnet eine familienfreundliche Kommune aus?“ fragte sich der Familienbund der Katholiken (FDK) am Wochenende beim Schlossgespräch auf der Hallburg (Volkach / Lkrs Kitzingen). Das Institut für Familienforschung der Uni Bamberg (ifb) ermittelte in einer Befragung von 5000 Familien die eindeutige Antwort: Familien hilft am meisten ein Klima hoher Wertschätzung und Beachtung ihrer Bedürfnisse (45 %). Erst mit deutlichem Abstand wurde eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf (29 %) und mehr Geld (25 %) genannt.

Es sind also durchaus subjektiven Faktoren, die im Zweifel entscheiden, ob sich Familien in einer Kommune niederlassen oder bleiben. Für Stefan Paulus, Bürgermeister der 6000 Einwohner Gemeinde Knetzgau (Lkrs Haßberge) sind es viele kleine Mosaiksteinchen, die Eltern sagen lassen „die haben erkannt, was für uns wichtig ist“. So etwa ein Krippenplatz für jedes Kind, ausreichend Ganztagsplätze in der Schule und eine kommunale Ferienbetreuung. Wer im Altort baut bekommt einen finanziellen Zuschuss. Dank einem kommunalen Bündnis für Familie und Senioren zwischen Bürgern, Gemeinde und Kirchen gibt es ein Mehrgenerationenhaus, eine Babysitterbörse oder den Einkaufsbus. Dass Knetzgau seit einiger Zeit mehr Geburten als Todesfälle hat zeige, dass Familienförderung durchaus auch demografische Folgen habe.

Verkehrssituation schlägt Kitaplätze

Generell sind über 90 % der Familien mit ihrem Wohnumfeld zufrieden. Dennoch gibt es eindeutig Punkte, die für oder gegen die Familienfreundlichkeit einer Kommune sprechen: für 95 % der Familien ist Verkehrssicherheit der wichtigster Faktor, nur 36% sind hier mit der Situation vor Ort wirklich zufrieden. Danach folgen „ausreichend Spielplätze“ sowie Freizeitangebote für Jugendliche vor Ort“ (je 92 %) und ein „ausreichender öffentlicher Personennahverkehr“ (87 %). Die Frage nach Krippen- und Kitaplätzen landete mit 80 % erst auf Rang vier. Hier spiegelt sich die hohe Zufriedenheit bei der Betreuungssituation der 3-6jährigen wieder.

Wie kann eine Kommune aber das schmerzlich vermisste Klima (Ehepaare 50%, Alleinerziehende 70%) der Wertschätzung für Kindererziehung schaffen? Für Bürgermeister Paulus sind es viele kleine Punkte, die ein Mosaik ergeben. So etwa für jedes Kind einen Krippenplatz – interkommunal müssten hier für Alleinerziehende Öffnungszeiten bis 20 Uhr möglich sein. Weiterhin ausreichend Ganztagsplätze in der Schule und eine kommunale Ferienbetreuung. Familien, die im Altort bauen, fördert Knetzgau mit finanziellem Zuschuss.

Geld durch Mischfinanzierungen

Für Landtatsabgeordnete Gerlach bedeutet Familienfreundlichkeit einer Kommune, zusammen mit den Betroffenen vor Ort zu schauen, was an Schwerpunktsetzung notwendig sei. Nach dem Ausbau der Kinderbetreuung, sieht die Sozialpolitikerin im Ausbau der schulischen Ganztagsbetreuung den nächsten Schritt. Natürlich koste das Geld, aber „wenn der Bedarf da ist, muss eine Kommune dem gerecht werden“, so Gerlach. Dazu seien Mittel im Familienpakt Bayern vorgesehen. Es gelte auch, den Erzieherberuf attraktiver zu gestalten. Er sei sehr vielseitig, aber zu schlecht bezahlt. Es sei nicht einzusehen, warum etwa eine Erzieherin bei längerer Ausbildung weniger verdiene als eine Grundschullehrerin.

Landrat Töpper sprach die Verantwortung der Landkreise für die weiterführenden Schulen an. Es brauche eigenständige Schulprofile und eine flächendeckende Jugendsozialarbeit an Schulen. Dies sei aber nur durch Cofinanzierungen möglich. Das selbe gelte auch für die vielerorts problematische Situation beim Öffentlicher Nahverkehr, die Familien benachteilige. Flankieren könnten „sachte Maßnahmen“ für Familien in besonderen Herausforderungen, etwa Familienhebammen, Familienpatenschaften oder Vermittelungsstellen für Tagesmüttern.

Michael Kroschewski, Vorsitzender des Familienbund, forderte Familie nicht zu verzwecken. Familienfreundlichkeit spielt nur dann eine Rolle, wenn plötzlich Angst vor Fachkräftemangel herrsche. Das habe mit Wertschätzung nichts zu tun. Es wies auch auf die bestehenden niederschwelligen Angebote der Familienbildung durch die freien Trägern hin. Es sei wichtig, die Arbeit der lokalen Familienstützpunkte damit besser zu verknüpfen, um Familienarbeit nachhaltiger zu gestalten.

Gerlinde Martin dankte als Vorsitzende des FDK-Sachausschuss Familienpolitik den rund 70 anwesenden Gästen für die aktive Diskussion und machte Mut zu engagierter Familienpolitik vor Ort.

Bericht in der Main Post


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