Schrei so laut Du kannst!

  • -

Schrei so laut Du kannst!

Nachmittags in einem Aschaffenburger Stadtbus: Ein mit dem Besuch beim Arbeitsamt unzufriedenes junges Pärchen steigt zu und setzt sich einer älteren Dame gegenüber. Aggressiv in Worten und Verhalten pöbeln die beiden nicht nur untereinander, sondern wollen auch noch den Schmuck der Dame – ein junger Mann, der die Situation beobachtet, schreitet ein…

Dieses Szenario ist freilich nur gespielt, denn das „aggressive Pärchen“ sind Polizeihauptmeister und Trainer für Zivilcourage Alexander Schwandner sowie die Landtagsabgeordnete Judith Gerlach. Die weiteren Darsteller sind Teilnehmer des Polizeikurses für Selbstsicherheit und Zivilcourage, zu dem die Jungen Union Aschaffenburg-Stadt um ihre Vorsitzende Judith Gerlach am frühen Sonntagabend in die Stadthalle eingeladen hatte.

Alexander Schwandner ist seit 25 Jahren bei der bayerischen Landespolizei, sein Revier ist der Münchner Hauptbahnhof, wo er als Kontakt- und Präventionsbeamter täglich Situationen erlebt, die ein hohes Aggressionspotenzial haben. Der gebürtige Aschaffenburger warnt: „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht – jeder kann Opfer von Gewaltkriminalität werden“. Die meisten Gewaltverbrechen passieren zwischen 15 und 21 Uhr, weiß Schwandner. Wie man sich in einer solchen Situation verhält, erklärte er den rund 40 Teilnehmern in seinem zweistündigen Kurs anhand von Rollenspielen und Praxisbespielen. Lebendig und lebensnah erklärt Schwandner, dass es dem Täter um Macht, Dominanz und Kontrolle geht – und genau hier müsse man ansetzen: den Täter durch selbstbewusstes Auftreten verunsichern.

Schwandner erklärt in vier Phasen, wie man sich im Fall einer körperlichen Bedrängung bzw. wenn man eine Auseinandersetzung beobachtet, verhalten solle. Die Zuhörer lauschen gespannt und beobachten die Rollenspiele aufmerksam. Schwandner rät: „Alles was sie heute hier hören und sehen, muss in ihr Unterbewusstsein übergehen, daher sollte sie daheim ein selbstbewusstes Auftreten üben.“ Dazu gehöre beispielsweise eine aufrechte Haltung, „Luft in die Lunge“, Blick gerade aus, eine laute Stimme. Schon dieses Auftreten vermeide in 70 Prozent der Fälle eine aggressive Tat. Zum Abschluss zeigte er den Teilnehmern, wie man einen tatsächlichen Angriff abwehren kann: sicherer Stand, den Täter mit den Händen auf Distanz halten und „Schrei so laut du kannst“.

Buchtipp: Stärke zeigen: Wie man sich und andere vor Übergriffen schützt von Alex Schwandner (Autor); Bastei Lübbe (Lübbe Paperback); Auflage: Aufl. 2013 (11. Oktober 2013); ISBN-10: 3785760965


Jetzt meine Facebook-Seite liken!