Halbzeitbilanz von Judith Gerlach…

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Halbzeitbilanz von Judith Gerlach…

…in kürzester Zeit viel erreicht!

Am Anfang eines jeden Vorhabens stehen Ideen. Was ist mir wichtig? Wie kann ich es erreichen? Was muss ich dafür tun? Wie können wir diese gemeinsam umsetzen? Eine kleine Verschnaufpause kann helfen, sich auf das Wesentliche zu besinnen und dann mit voller Kraft weiterzumachen. Nach 45 Minuten Konzentration und jeder Menge Schweiß heißt es auch für die Fußballer: Halbzeit! Ab in die Kabine und entscheiden, welche Strategie angewandt werden soll, um das Spiel zu gewinnen. Natürlich ist es in der Politik nicht immer so einfach wie beim Fußball. Von zentraler Bedeutung ist es, die eigenen Vorstellungen umsetzen zu können: mit vielen persönlichen Gesprächen sowie zahlreichen politischen Treffen. Das Gefühl eines politischen Erfolgs – sei es auch nur bei einem Schritt in die richtige Richtung – fühlt sich manchmal an wie ein Tor beim Fußball.

Zweieinhalb Jahre bin ich nun im Bayerischen Landtag. Eine Arbeit, die ich seit meiner Wahl 2013 immer als ein Geschenk empfunden habe. Die erste Hälfte der Legislaturperiode ist geschafft und ich möchte mit Ihnen zusammen auf zahlreiche, spannende Themen zurückblicken. Die Zusammenarbeit mit vielen interessanten Persönlichkeiten hat meinen Erfahrungshorizont erweitert. Dabei blicke ich schon jetzt zufrieden auf eine positive Halbzeit zurück. Wenn wir beim Vergleich mit dem Fußball bleiben wollen, könnte man sagen: Einige Torvorlagen und gute Pässe wurden herausgespielt.

Ehrenamtliche tatkräftig fördern

Besonders wichtig ist mir mein Engagement um die Neuregelung des Freistellungsgesetzes. Die Arbeit der Ehrenamtlichen im Freistaat ist im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbar. In Bayern engagieren sich 3,7 Millionen Bürger für ihre Mitmenschen, beispielsweise in Sportvereinen, Altenheimen oder bei der Feuerwehr. Wenn der Staat pro Stunde 10 Euro zahlen würde, dann würden Kosten in Höhe von 9 Milliarden Euro entstehen – eine Summe, die so kein Bundesland in Deutschland stemmen könnte. Als Mitglied in der „Arbeitsgruppe Aktive Bürgergesellschaft/Ehrenamt“ ist mir besonders die Freistellung bei der Jugendarbeit wichtig. Nach wie vor ist es für Ehrenamtliche schwierig vom Arbeitgeber freigestellt zu werden. In der Konsequenz leidet das ehrenamtliche Engagement langfristig. Gemeinsam mit meinem Kollegen Dr. Gerhard Hopp setze ich mich im Landtag dafür ein, dass die Freistellung ermöglicht und vereinfacht wird. Unser Anspruch lautet: Die Jugendarbeit muss profitieren, dabei dürfen aber die betrieblichen Interessen der Arbeitgeber nicht konterkariert werden.

Ambulante Palliativversorgung für Kinder in Unterfranken

Als jüngste Landtagsabgeordnete und Mutter liegen mir vor allem Themen, die die Jugend und Familienpolitik betreffen, sehr am Herzen. In unserer Region gibt es zahlreiche Kinder und Jugendliche, die eine verkürzte Lebenserwartung haben. Für sie, ihre Familien, aber auch die Helfer heißt es, die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, um den Kindern ein Höchstmaß an Lebensqualität zu ermöglichen. Der Aufbau einer spezialisierten, ambulanten Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche (SAPPV) ist eine Aufgabe, die den Betroffenen und Angehörigen Respekt erweist. Hierzu gab es einige Treffen, unter anderem einen Runden Tisch mit Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Es wäre dann das sechste Palliativ-Team in Bayern und eine wichtige Institution in unserer Region. In Unterfranken leben 1,3 Millionen Menschen – etwa 35 Kinder in unserer Region benötigen jährlich eine palliativmedizinische Behandlung. Die geringe Zahl der Betroffenen macht die Planung so schwierig. Jedes einzelne Schicksal der Kinder und Familien zählt: In einer so schweren Zeit ist es wichtig, dass es Ärzte gibt, die rund um die Uhr erreichbar sind.

Jetzt gilt es, einen Träger zu finden, der sich optimal um die Bedürfnisse der Menschen kümmert. In Aschaffenburg ist das Interesse an derartigen Angeboten groß. Das habe ich bei Informationsgesprächen beispielsweise mit dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Aschaffenburg/Miltenberg feststellen können. Der Verein unterstützt betroffene Familien und das in ihrem häuslichen Umfeld. Dabei kümmern sich die Ehrenamtlichen um die erkrankten Kinder, aber auch um deren Eltern und Geschwister. Selbst dann noch, wenn das betroffene Kind verstirbt. Die Hilfe geht über den Tod des Kindes hinaus. Das Angebot ist für die Familien kostenlos. Ich bin froh, dass es Menschen wie Claudia Bauer-Herzog und Christine Ries gibt, die die engagierten Vorsitzenden des Vereins sind. Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst kümmert sich darüber hinaus um besondere Angebote wie den Erinnerungsgarten in Aschaffenburg. Es ist wohl der erste seiner Art in ganz Deutschland. In Zusammenarbeit mit der Stadt Aschaffenburg, ist so ein Ort für Eltern und Freunde der verstorbenen Kinder entstanden.

Selbstbestimmt trotz Behinderung

Ich habe in den vergangenen Jahren tolle Menschen mit ganz besonderen Geschichten kennengelernt: Sabine Weber aus Aschaffenburg-Schweinheim beispielsweise. Sie setzt sich gemeinsam mit anderen Eltern für ihre Kinder mit schwerer und leichter Behinderung ein. Dazu haben sie einen Verein gegründet, der sich „Junges Leben am Untermain“ nennt. Sabines Tochter Leonie ist 17, sie geht auf ein Internat im Zentrum für Körperbehinderte in Würzburg-Heuchelhof. Dort ist sie gemeinsam mit ihren Freunden aus der Region von Montag bis Freitag. Doch wie jede andere junge Frau auch, stellt sich für Leonie bald die große Frage: Wie geht es nach der Schulzeit weiter? Ein möglicher Weg wäre zum Beispiel in den Werkstätten der Lebenshilfe Schmerlenbach zu arbeiten. Aber Sabine Weber wünscht sich für ihre Tochter eine selbstbestimmte Zukunft. Sie setzt sich dafür ein, dass ihre Tochter nach ihrem Auszug von Zuhause in der Nähe wohnen kann. Sie wünscht sich, dass ihre Tochter weiterhin die Nähe zur Familie hat. Aschaffenburg ist für Leonie und die anderen Jugendlichen mit Behinderung die Heimat. Die Jugendlichen treffen sich in der Innenstadt, machen Ausflüge in den Schönbusch und fühlen sich hier sicher und wohl. „Die Wohnsituation für junge Menschen mit Behinderung ist in Aschaffenburg schwierig.“, sagte mir Frau Weber. Die Unterbringungssituation im Raum Aschaffenburg zu verbessern ist auch mein großes Anliegen, deshalb haben schon verschiedene Gespräche mit dem Bezirk Unterfranken stattgefunden, um dieses Thema voranzutreiben.

Auch das Bundesteilhabegesetz spielt dabei eine Rolle, das zurzeit im Gesetzgebungsprozess ist. Hierbei geht es vor allem um das Thema Entscheidungsfreiheit. Jede Lebensplanung soll und muss so individuell wie die Menschen selbst sein. Dafür muss aber erst einmal Verständnis in der Gesellschaft geschaffen werden, sie muss sensibilisiert werden. Wie viel Interesse für die Ideen besteht, habe ich bei Gesprächsrunden bei der Lebenshilfe in Schmerlenbach sehr deutlich gemerkt. „Nicht über uns – ohne uns“, ist da der Ansatz, den auch ich unterstütze. Dem Bundesarbeitsministerium geht es darum, dass ein Gesetz ausgearbeitet wird, in dem auch die Aspekte des UN-Behindertenrechts berücksichtigt werden. Ich freue mich, wenn ich Menschen wie Sabine Weber und ihrer Tochter helfen und vermitteln kann. Sabine schätzt es, dass ich meine Position als „Türöffner“ zu Behörden und zum Bezirk nutzen kann. Die Mütter und Väter des Vereins „Junges Leben Untermain“ wünschen sich für ihre Kinder neuartige, innovative Wohnformen – und das mitten in Aschaffenburg. Als Mutter kann ich nachvollziehen, was sich Sabine für ihre Tochter Leonie erträumt: Ein selbstbestimmtes Leben und die besten Möglichkeiten, um trotz ihrer Behinderung als Erwachsene zu leben und auch wahrgenommen zu werden. „Es ist wichtig, dass die Kids altersgerecht behandelt werden. Kein 17-Jähriger möchte, dass man ihm dauernd über den Kopf streichelt“, erklärt Sabine Weber ihr Anliegen. Ihre Tochter wird immer selbstständiger. Leonie spielt in ihrer Freizeit Fußball mit anderen behinderten Jugendlichen bei den „Kids mit Handicap“. Außerdem schwärmt die junge Frau für den FC Bayern. Und um zurück auf den Anfang zu kommen: Beim Fußball geht es zwar auch um die Tore – ähnlich wie es in der Politik um Ergebnisse geht – aber genauso geht es um die schönen Momente und Vorlagen, die wichtig sind, um langfristig die Ziele umzusetzen. Und das ist in der ersten Halbzeit gelungen.


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