März 2019

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Pressemitteilung: Deutscher Gewerkschaftsbund startet Zukunftsdialog

Zum Auftakt: Gespräch mit der bayerischen Digitalministerin Judith Gerlach in Aschaffenburg

Aschaffenburg. Zum Auftakt der regionalen Aktivtäten des DGB Zukunftsdialog „Reden wir über…?!“ waren der DGB Vorsitzende Aschaffenburg-Miltenberg Björn Wortmann (2. v. re.), Aschaffenburgs IG Metall Chef Percy Scheidler (2. v. li.) und DGB Regionsgeschäftsführer Frank Firsching (li.) zu Gast bei der Bayerischen Digitalministerin Judith Gerlach in Aschaffenburg. Thema des einstündigen Gesprächs war die Gestaltung der digitalen Transformation und die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beschäftigten. „Wir betrachten diesen Erstkontakt als gelungenen Einstieg eines gerade begonnen Dialogs mit Frau Ministerin Gerlach“, resümiert Frank Firsching.

Zum Einstieg in das Gespräch formulierte Björn Wortmann zwei Leitthesen: „Aus unserer Sicht bietet die Digitalisierung die Chance, Prozesse zu erleichtern, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu entlasten und somit Arbeit humaner zu gestalten. Dieser Transformationsprozess kann allerdings nur tragfähig und nachhaltig sein, wenn Gewerkschaften und Betriebsräte aktiv beteiligt werden.“

Ministerin Judith Gerlach sagte: „Ich bin überzeugt, dass die Gewerkschaften die Zeichen der Zeit erkannt haben und freue mich, dass wir die digitale Transformation gemeinsam und aktiv gestalten. Know-how-Transfer und die Einbindung der unterschiedlichsten Akteure sind auf dem Weg der Digitalisierung entscheidende Meilensteine.“

Folgen der Digitalisierung in der Region

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat in einer Untersuchung veröffentlicht, dass im Zuge der Digitalisierung im Landkreis Miltenberg 24,3% der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von einem hohen Substituierbarkeitspotenzial betroffen sind (Vgl. Ldkr. AB 17,8%, Stadt AB 16,2%, Bayernweit 15,4%).

Insbesondere Tätigkeiten von Helfern, aber auch von Fachkräften sind dabei von Substituierung betroffen. IG Metall Bevollmächtigter Percy Scheidler dazu: „Wir wollen, dass niemand im Zuge der Digitalisierung arbeitslos wird. Das kann uns gelingen, wenn wir frühzeitig neue Anforderungen an Qualifikationen identifizieren und entsprechende Weiterbildungen angeboten werden.“

Dabei ist es wichtig, dass die Sozialpartner auf der einen und die öffentliche Hand, die Agentur für Arbeit und Institutionen zusammen arbeiten und konkrete Maßnahmen gemeinsam entwickeln.

Judith Gerlach verwies in diesem Zusammenhang auf die große Zahl mittelständischer Unternehmen in der Region. „Berufliche Weiterbildung wird in einer digitalen Arbeitswelt immer wichtiger, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Beschäftigte und Betriebe darin zu stärken und zu unterstützen, ist das Ziel des Pakts für berufliche Weiterbildung 4.0. Dazu werden z.B. bayernweit spezielle digitale Bildungsberater eingesetzt. Aber auch mit dem Digitalbonus wollen wir in Bayern die kleinen und mittelständischen Unternehmen auch weiterhin bei der digitalen Transformation unterstützen. Im Mittelpunkt der Förderung stehen digitale Produkte, Prozesse und Dienstleistungen sowie die IT-Sicherheit. Wir müssen die Menschen von heute in die Arbeitswelt von morgen mitnehmen.“

DGB Regionsgeschäftsführer Frank Firsching erläuterte anhand des DGB Index Gute Arbeit die Folgen der Digitalisierung, wie sie von den Beschäftigten erlebt werden: „Digitalisierung bedeutet derzeit vor allen Dingen eine zunehmende Arbeitsverdichtung, das heißt mehr Tätigkeiten müssen in derselben Zeit erledigt werden, weil sich Prozesse beschleunigen. Im Kontext der Zunahme von psychischen Erkrankungen gewinnt das Thema Digitalisierung eine besondere Bedeutung.“ Es gibt in den Betrieben Schutzverordnungen beim Umgang mit Gefahrenstoffen oder Lärm. Aber eine Schutzverordnung aufgrund von Stress und Arbeitsverdichtung gibt es nicht. Da ist dringender Handlungsbedarf angesagt.

Abschließend machte DGB Kreisverbandsvorsitzender Björn Wortmann deutlich, dass Gewerkschaften proaktiv an dem Transformationsprozess mitarbeiten werden und konkrete Projekte in der Region aktiv begleiten. Am 1. Juni wird der DGB zusammen mit der IG Metall im Martinushaus eine öffentliche Konferenz zum Thema „Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt“ durchführen.

Zudem wurde Digitalministerin Judith Gerlach zum nächsten Treffen der Innovationskommission bayerischer Untermain eingeladen, einem regionalen Zusammenschluss aus Gewerkschaften, Arbeitgebern und kommunalen Vertretern. Judith Gerlach folgt gerne der Einladung und begrüßt einen kontinuierlichen Austausch und Zusammenarbeit mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund.

Hintergrund und weitere Veranstaltungshinweise:

Der DGB hat 2019 den Zukunftsdialog „Reden wir über…?!“ gestartet. Hierbei will er der zentrale Ort des Austauschs und der Debatte sein. Neben vielfältigen Aktionen im öffentlichen Raum werden auch Gespräche mit weiteren politischen Mandatsträgern und VertreterInnen diverser Institutionen geführt. Am 18. März wird der DGB mit den Landtagsabgeordneten Martina Fehlner (SPD), Winfried Bausback (CSU), Helmut Kaltenhauser (FDP) und Berthold Rüth (CSU) sprechen. Abends wird es eine Lesung mit der Publizistin Madeleine Hofmann zum Thema „Generationengerechtigkeit“ in Lohr geben. Gespräche mit der neuen Hochschulpräsidentin Eva-Maria Beck-Meuth und dem Oberbürgermeister Klaus Herzog sind ebenso terminiert wie mit den für die Region zuständigen Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel (SPD) und Andrea Lindholz (CSU). Am 26. März wird ab 12 Uhr vor der City Galerie ein Aktionstag zum Thema „Wohnen“ unter dem Motto „Bezahlbarer Wohnraum ist die halbe Miete“ organisiert. Im Mai werden zusammen mit der Europaunion Stadtspaziergänge zum Thema Europawahlen angeboten. Am 1. Juni organisiert der DGB Kreisverband Aschaffenburg-Miltenberg zusammen mit der IG Metall Aschaffenburg im Aschaffenburger Martinushaus eine Konferenz zum Thema „Digitalisierung der Arbeitswelt“.

 


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